Eine unternehmensübergreifende Expedition ins Jahr 2035

Wissen wurde früher am Lagerfeuer weitergegeben. Danach kamen Buchdruck und Fluten von Text. Nun stehen wir am Beginn einer Epoche, in der Wissen in Form von Algorithmen verfügbar gemacht wird, denn die Automatisierung von Wissen schreitet weltweit voran. Das betrifft nicht nur interne Unternehmensprozesse, sondern eröffnet auch ein Rennen um neue Märkte: Wie schaffen Unternehmen den technischen und kulturellen Sprung, führende Anbieter von digitalen Wissensdienstleistungen zu werden? Und was hat das mit der Computerspiele-Industrie zu tun? – Mit diesen und vielen anderen Fragen befasst sich seit März 2020 ein Konsortium führender Unternehmen von Wien bis Wolfsburg.

In dem mehrfach erfolgreichen Open-Foresight-Projektformat bündeln Expertinnen und Experten aus verschiedenen Branchen ihre Kräfte, um Szenarien für das Jahr 2035 und mögliche Strategien zu erarbeiten. Bereits zum wiederholten Mal dabei sind Atos, Fabasoft, Fronius und Greiner. Neu hinzugestoßen sind Freshfields, KEBA, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich und Volkswagen. Initiiert wurde das Projekt von der Linz Center of Mechatronics GmbH in Kooperation mit dem Institut für Strategisches Management der Johannes Kepler Universität und Moderator Wolfgang Berger.

Und so fern ist die Zukunft gar nicht: In Software gegossenes Wissen, das für jeden Menschen jederzeit weltweit zugänglich ist, prägt in verschiedenen Formen schon länger unseren Alltag: Mittlerweile ist es gang und gäbe, dass wir beim Schreiben von Texten von einer automatisierten Rechtschreib- und Grammatikprüfung auf etwaige Fehler aufmerksam gemacht werden. Via Webservices übersetzen wir Sprachen, die wir nie gelernt haben. Und Navigations-Software verrät uns Schleichwege, die früher nur Ortsansässigen bekannt waren.

Doch was bedeutet die Digitalisierung von Wissen nun für Unternehmen und ihre Wettbewerbsfähigkeit?

Bereits jetzt werden Rechtsstreitigkeiten automatisiert abgearbeitet, Produkte werden durch Algorithmen konstruiert und ehemals mit viel Erfahrungswissen justierte Prozessparameter optimieren sich nun selbst. Diese Lösungen werden zunehmend über Unternehmensgrenzen hinweg als Services angeboten und können niederschwellig von anderen zugekauft werden. Wegweisend ist das Ökosystem der Computer-Spiele-Industrie. Spiele-Entwickler greifen über einen Marktplatz auf Sprachsynthese-Tools, Wetterprognosen und physikalische Simulationsprogramme zu, um die sie sich nicht selbst kümmern müssen. Dieses Konzept diffundiert auch in andere Industrien. Entsteht dadurch eine neue Gattung von „Knowledge-less Companies“, die externe Wissens-Dienstleistungen nutzen und orchestrieren, ohne viel eigenes Wissen aufbauen zu müssen? Basieren künftig erfolgreiche Geschäftsmodelle darauf, die Wissensnutzung auch für Mitbewerber zu öffnen? Und welche neuen Fähigkeiten werden für diese Transformation notwendig sein?

Unternehmen stehen künftig also vor noch ungeahnten Herausforderungen und ebenso großen Chancen. Mit der Open-Foresight-Methode wird gezielt 15 Jahre in diese Zukunft geblickt. In insgesamt sechs Workshops, begleitet von intensiver Forschung, erarbeiten sich die teilnehmenden Unternehmen ein Jahr lang das Thema Knowledge Engines – Die digitale Wissensökonomie. Internationale Expertinnen und Experten aus unterschiedlichsten Industrien und Wissenschaftsdomänen werden eingebunden. Die Methode ermöglicht dadurch strategische Weichenstellungen auf Basis vielschichtiger Erkenntnisse und mit ausreichendem zeitlichen Vorlauf.

Schon beim Projekt-Kick-off nimmt ein Teilnehmer mögliche Ausreden und Blockaden vorweg: „Manche mögen glauben, dass die eigenen Kernkompetenzen sich nicht in Software abbilden lassen und man daher von diesen Entwicklungen nicht wirklich betroffen sei“, – möglicherweise ein Trugschluss. Und ein anderer Teilnehmer analysiert: „Das wird kommen. Das wird disruptiv. Die Frage ist nur wann.“

 

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